Mythos Anfängerglück
Man hat es wohl schon selber einmal erlebt, egal ob beim Pokern, bei einem Kasinobesuch oder an der Börse, wie ein Neuling alles gewinnt, was es zu gewinnen gibt.
„Unter Spielern herrscht die Ansicht, dass Anfänger fast immer Glück haben. Man hört:“Später wird es schlechter, doch am Anfang haben Spieler immer Glück!“ Das ist sogar empirisch wahr: Forscher bestätigen, dass Spieler anfangs Glück haben (das gilt auch für Börsenspekulanten). Heißt das, dass jeder von uns eine Zeit lang Spieler werden sollte, um auszunutzen, dass Anfängern das Glück hold ist?
Die Antwort lautet: Nein. Auch hier lassen wir uns von einer optischen Täuschung trügen. Wer mit dem Spielen anfängt, wird entweder Glück oder Pech haben (da das Kasino im Vorteil ist, wird eine etwas größere Zahl kein Glück haben). Die Glücklichen werden aus dem Gefühl heraus, dass das Schicksal sie auserwählt hat, weitermachen. Die anderen werden entmutigt aufhören und nicht in der Stichprobe auftauchen. Sie werden sich wahrscheinlich, je nach Temperament, der Beobachtung von Vögeln, Scrabble, der Piraterie oder anderen Zeitvertreiben zuwenden. Diejenigen, die weiterhin spielen, werden sich daran erinnern, dass sie am Anfang Glück hatten. Die, die aufhören, werden per definitionem nicht mehr zur Gemeinde der überlebenden Spieler gehören. Das ist die Erklärung für Anfängerglück.“
Der Auszug stammt aus „Nassim Nicholas Talebs – The black swan“.
Das stumme Zeugnis der Glücklosen könnte demnach um einiges größer sein, als man möglicherweise annehmen würde.