Options Education: Greek Letters
Warum fange ich mit den Greeks an, die nach landläufiger Meinung zu den eher fortgeschritteneren Themen im Bezug auf Options gelten?
Nun, meiner Meinung nach sind Options wie ein Legobaukasten, mit dem man sich alle gewünschten Szenarien zusammenbauen kann. Die Grundbausteine sind die Greeks, und wer sie verstanden hat, ist nicht mehr so abhängig von bestimmten Options – Konstellationen, bekommt viel schneller einen Überblick, was in seinem Portfolio los ist und auf welche Risiken man ein Auge werfen sollte. Wichtig ist zunächst, dass alle greek letters zueinander in Beziehung stehen und dass man somit bestimmte Risiken nicht absichern kann, ohne andere einzugehen, außer man schließt die Position oder hedged mit anderen Options.
Vorab noch ein kleiner Hinweis bezüglich Greeks und Options Software: manche kalkulieren die Greeks direkt in Geld (Dollar/Euros), andere in Prozentwerten der entsprechenden Option. Man sollte hier aufpassen, damit man nicht Äpfel mit Birnen vergleicht.
Delta:
Das Delta einer Option ist relativ leicht erklärt, es ist das Verhältnis zwischen Underlying und Option. Ein Delta von 0.5 heißt also, dass die Option nur die Hälfte der Bewegung des Underlyings mitmacht. Ein Long Call steigt um $0.50, wenn die Aktie um $1 steigt. Ein long Put mit Delta -0.8 verliert $0.80, wenn die Aktie um $1 steigt. Delta verändert sich ständig und ist von anderen Greeks abhängig, sprich Delta – neutral ist man eigentlich nur beim Entry.
Gamma:
Hier wird es schon interessanter: Der Hauptgrund für Laien im Optionsgeschäft, nur Long Call oder Long Put zu gehen, ist Gamma. Es bezeichnet die Veränderungsrate von Delta mit der Bewegung im Underlying. Auf Deutsch: hat ein Call ein Delta von 0.5 und ein Gamma von 0.1, wird er ein Delta von 0.6 haben, wenn die Aktie um $1 steigt. Genau das ist der Effekt, den man mit Long Options erzielen will, nämlich direktionales Risiko „billig“ einzukaufen und mehr Bums für sein zu Geld bekommen, wenn man richtig liegt, und weniger, wenn falsch.
Im Idealfall kauft man einen Put mit Delta -0.01, hat also nur einen Bruchteil des Risikos eines Short – Trades im Underlying, und der Trade läuft so lange gut, bis der Put ein Delta von -1 und man somit die selbe Ertragschance hat wie bei einem Short Trade in der Basis…allerdings würde man da ja schon vorne liegen?
Leider vergessen die meisten, dass Gamma eine inverse Beziehung zum Theta, also dem Zeitwertverfall hat, man „kauft“ sich sozusagen sein Gamma mit der Zeit. Es ist unmöglich, mit einer Optionsposition gleichzeitig long Gamma und short Theta zu sein, sprich mit der richtigen Marktbewegung neue Deltas dazuzubekommen und zugleich am Zeitwertverfall zu profitieren.
Für direktionale Trades ist die Gamma/Theta Beziehung in Verbindung mit dem Delta das wichtigste Auswahlkriterium für den Strike der Option. Gamma und Theta sind am Geld im Frontmonat(ATM) am größten. Je länger die Laufzeit und weiter weg vom Geld, desto weniger sind diese Greeks ausgeprägt Die Frage die man sich hier stellen sollte ist immer: Welcher Strike gibt mir das meiste Gamma für mein Delta und wie viel Theta muss ich dafür bezahlen?? Man möchte meinen, es sei das beste, immer ATM – Options zu kaufen, jedoch sollte man sich die Mühe machen, und verschiedene Strikes durchrechnen. Ich kann eine Option mit 0.6 Deltas, 0.1 Gammas und 0.07 Thetas kaufen, oder zwei Options mit je 0.3 Deltas, je 0.07 Gammas und 0.05 Thetas. Letzeres gibt mir ein besseres Risk/Reward, wenn das Underlying sich schnell in meine Richtung bewegt, die erste Variante gibt mir mehr Zeit. Also auch bei single Options ist nicht immer billig und große Size am besten, man sollte sich überhaupt mehr an den Greeks als an der zu investierenden Summe orientieren, diese beschreiben das Exposure viel besser.
Theta:
Theta ist eigentlich auch ziemlich schnell erklärt, es ist einfach die Veränderungsrate der Option im Hinblick auf die Zeit. Für Long Positionen immer negativ, für Short Positionen immer positiv. Wie oben beschrieben, heißt Long Theta, also Profit vom Zeitwertverfall, immer Short Gamma und hier wird es vor allem für Stillhalter interessant.
Wenn ich eine Option verkaufe, wird die Option immer schneller gegen mich laufen, je mehr sich der Markt gegen mich bewegt. Angenommen, ich shorte einen Call mit delta 0.5, Gamma 0.1 und die Aktie steigt um einen Dollar, dann habe ich statt 50cts pro $1 Im Underlying schon 60cts Risiko.
Speziell beim Verkaufen von Premium gibt es hier zwei Philosophien:
1. Shorten von Options ATM (Downside Curvature: der peak von Gamma ist am Geld am größten und man rutscht bei Bewegung im Underlying quasi den Gammaberg runter) . Das Gamma ist hier zwar am größten, wird aber immer kleiner und das Delta ändert sich immer weniger, je weiter der Markt sich vom Strike der Option wegbewegt. Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass man am Geld mehr Premium bekommt und das Hedging der Deltas immer leichter wird, je ungünstiger die Marktbewegung ist.
2. Shorten von Options OTM (Upside Curvature: man steht unten am Gammaberg und kriegt immer mehr negative Gammas aufgeladen). Das Gegenteil von 1.: Premium ist relativ klein und die Deltas auch. Das heißt, ich muss kaum hedgen, solange der Markt da bleibt, wo ich ihn haben will (weg vom Strike), aber wenns eine ungünstige Bewegung gegen mich gibt, ist ein ordentliches Hedging fast unmöglich.
Vega:
Vega ist die große Unbekannte im Optionstrading und die Variable, an der die meisten Leute scheitern. Sie beschreibt die Veränderung des Optionspreises mit Veränderung der impliziten Volatilität (IV). Bevor ich näher auf Vega eingehe, möchte ich einen kleinen Abstecher zur IV machen:
Die implizite Vola ist die einzig „echte“ Variable in einer Option, weil sie als einzige Angebot und Nachfrage wiedergibt. Was veranlasst nun die IV zu steigen und zu fallen??
Die meisten Optionsgeschäfte sind Risktaker/Hedger vs. Marketmaker, viel mehr als im Underlying, wo Risktaker und Hedger auch miteinander handeln. Das heißt, wenn ich heute eine Option kaufe, ist mit großer Wahrscheinlichkeit ein Marketmaker die Gegenpartei und hat sie seinem Inventar. Wenn er diesen Strike und diese Laufzeit Netto – Long ist, wird sich nicht viel an der IV ändern, wenn er jedoch flat oder Netto – Short ist, wird er den Quote nach oben stellen, weil er von weiteren Käufern eine höhere Premium verlangen wird für das Risiko von Short Gamma. Wenn die Volatilität des Underlyings nur stark ansteigt (Breakout) werden mehr Leute Optionen kaufen, um sich abzusichern (meistens Long Puts) oder zu spekulieren, fällt die Vola des UL(Range/steigender Markt), verkauft das Publikum Optionen.
Das die IV von der Volatilität des Underlyings unabhängig ist, zeigt sich vor Earnings Reports oder FDA – Events (Biotechs/Pharmawerte) . Die Aktie bewegt sich keinen Meter, trotzdem werden große Mengen an Optionen gekauft, weil ein großer Kursausbruch erwartet wird. Da alle Optionen miteinander in Beziehung stehen, bedeutet eine erhöhte Nachfrage in einer bestimmten Option auch ein Steigen der Optionspreise in allen anderen Strikes und Laufzeiten.
Vega könnte man in diesem Sinne als die Reaktion aller anderen Strikes auf ein erhöhtes Angebot oder eine erhöhte Nachfrage in einer einzelnen Option beschreiben. Vega ist ebenfalls am Geld am größten jedoch umso höher, je länger die Laufzeit ist. Vergleichbar mit kurzfristigen und langfristigen Zinsen, macht ein Sinken der Vola um 1% in einer Atm Option im Frontmonat, welche vielleicht $2 kostet, monetär viel weniger aus, als in derselben Option mit einem Jahr Laufzeit und einem Preis von $20 (nämlich ein zehntel).
Besonders wichtig ist das für diejenigen, die denken, dem Zeitwertverfall entgehen zu können, indem sie langfristige Calls kaufen. Wenn die Aktie steigt, fällt die Vola meistens wie ein Stein und das tut bei einer Option mit 6 Monaten Laufzeit schon richtig weh.
Wie wirkt sich Vola nun auf Gamma, Delta und Theta aus??
Im Endeffekt ist es ziemlich simpel, wenn man sich Vega als Zeitbeschleuniger oder – Bremser vorstellt. Ein Steigen der IV ist wie eine Laufzeitverlängerung, verkleinert also Gamma und Theta ATM und erhöht diese OTM und ITM. Fällt die IV beschleunigt dieses Theta und vergrößert Gamma ATM und verkleinert Gamma und Theta ITM und OTM.
Rho:
Für Marketmaker und große Portfolios superwichtig, für Retailer eher nicht so, beschreibt Rho die Veränderung des Optionspreises auf die Zinsen. Wenn man als Marketmaker oder Arbitrageur riesige neutrale Positionen in seinem Inventar hat, sind die Zinsen ein erhebliches Risiko. Bei unterschiedlichen Laufzeiten kann auch Yieldcurve Risk entstehen welches mit Zinsfutures und deren Spreads abgesichert werden muss.
Schön, jetzt wissen wir das alles…und was bringt uns das?? Wie Anfangs schon erklärt, kann ich mir mit Hilfe der Greeks Positionen zusammenbasteln, die weit über die Standartspreads hinausgehen und genau meiner individuellen Markteinschätzung entsprechen. Also Beispiel könnte man hier calendarised Butterfly´s, short Vega, long Theta Verticals und solche Späße anführen. Bei Options Spreads ändern sich die Greeks, je nachdem welche Optionen gerade ATM sind, und grade wenn man denkt, man sei long Theta, bewegt sich der Markt ein kleines Stück und schon verliert man wieder Zeitwert.
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